Positionen zur Sexualpolitik – von Kurt Hartmann

[ Autor von diesem Artikel: Leonard Forneus ] [ Verfasst am 14 November 2012 ]

Grundlagen der Sexualität

Sexualmediziner wissen schon lange:
Der Mensch ist von Geburt an lust- und orgasmusfähig.
Die stimulierbaren Nervenzellen an den Genitalien sind angeboren. Die Reizweiterleitung bei
genitaler Stimulation ist von Anfang an gegeben.
Unabhängig vom Lebensalter (auch vor der Pubertät und nach dem Klimakterium) kann der Mensch körperliche Lusterfahrungen mit sich und anderen machen und genießen.
Sexualität ist daher als eine positive Möglichkeit im Leben eines jeden Menschen zu betrachten, ungeachtet seines Lebensalters.

Sexualität und Verfassung

Nach Artikel 2 Grundgesetz hat jeder das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, sofern
er nicht die Rechte anderer verletzt oder gegen das Sittengesetz verstößt.
Nach ständiger Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts ist das Recht zur geschlechtlichen Entfaltung (Sexualität) integraler Bestandteil des Rechts der freien Persönlichkeitsentfaltung. Keinesfalls ist sexuelle Entfaltung sittenwidrig.

Schon 1968 hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass jedes Kind Träger jedes Grundrechts ist. Jedem Menschen kommen die Grundrechte von Geburt an zu. Eine Altersgrenze
für die Grundrechte gibt es nicht.

Daraus folgt, dass unabhängig vom Alter jeder Mensch das Recht auf sexuelle Entfaltung
im Einvernehmen mit Anderen hat. Jeder beidseitig gewünschte Sex muss legal sein.

Sexualstrafrecht

Den oben genannten Prinzipien wird das heutige Sexualstrafrecht bei weitem nicht gerecht.
In Teilen werden sexuelle Handlungen verfolgt, die auf beidseitigen Wunsch zu Stande kommen
und niemandem schaden. So z.B. alle sexuellen Handlungen vor, mit, an und von Menschen Unter
14 Jahren, die dort als „Kind“ bezeichnet werden (§176 Strafgesetzbuch). Menschen Unter 14 Jahren wird somit ein essentieller Anteil an Grundrechten, Erfahrung und Wissen verweigert.

Begründet wird dies mit dem sogenannten geschützten Rechtsgut. Darunter versteht man wahlweise, den Schutz der „ungestörten sexuellen Entwicklung“ oder „die von vorzeitigen sexuellen Erlebnissen ungestörte Gesamtentwicklung des Kindes“.

Bei wikipedia liest man Folgendes:
*Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist ein abstraktes Gefährdungsdelikt. Das geschützte Rechtsgut ist die “ungestörte sexuelle Entwicklung von Personen unter 14 Jahren” bzw. die “von vorzeitigen sexuellen Erlebnissen geschützte Gesamtentwicklung des Kindes”. Der Gesetzgeber nimmt einen Schaden durch sexuelle Handlungen mit einem Kind an, ohne diesen begründen zu müssen. So ist der Gegenbeweis durch einen nicht erfolgten Schaden im konkreten Fall nicht zulässig.”

Hierbei bleibt ungeklärt was unter einer sexuellen (Gesamt-)Entwicklung zu verstehen ist, wodurch sie gestört werden könnte und warum „vorzeitige“ sexuelle Erlebnisse überhaupt etwas stören können, wenn wie oben gesagt, die Lustfähigkeit prinzipiell gegeben ist.

*Es ist somit unerheblich, ob die sexuellen Kontakte mit Einwilligung des Kindes geschahen und welches Alter der Täter hat. (Ausnahme: Eine Bestrafung nach § 176a Abs. 1 Nr. 1 StGB setzt die Volljährigkeit des Täters voraus.) Kinder als Täter sind wegen der fehlenden Strafmündigkeit, deren Altersgrenze ebenfalls bei 14 Jahren liegt, vor Bestrafung, nicht jedoch vor Ermittlung geschützt. Auch jugendliche Täter haben mit juristischen Sanktionen zu rechnen. Nach Angaben der Polizeilichen Kriminalstatistik sind in etwa 6 Prozent der erfassten Fälle mit ermitteltem Tatverdächtigen bei sexuellen Handlungen mit Kindern die Verdächtigen selbst Kinder, insgesamt über 20 Prozent entfallen auf Kinder und Jugendliche.”

Die oft nichts anderes machen als ihre Neugier auf Sex zu befriedigen.

*Quelle: wikipedia

 

Dies sind jedoch nur einige der absurden Folgen dieser Sexualgesetzgebung. Wird in Fällen, in dem Unter-14-Jährige beidseitig gewünschten Sex miteinander oder mit Älteren haben, polizeilich ermittelt, kommt es zu einem verfassungswidrigen Eindringen in die Intimsphäre der Betroffenen durch die Ermittlungsbehörden.  Eine Ableitung des Bundesverfassungsgerichts aus Artikel 1: Unantastbarkeit der Menschenwürde besagt, dass die Intimsphäre des Menschen vor staatlichem Eindringen geschützt sein muss.  Dieses Eindringen ist eine unmittelbare Folge des Schutzaltersparagrafen 176 StGB und führt bei den Betroffenen oft zu schweren Traumatisierungen. Vor allem wenn sie gegen ihren Willen gezwungen werden gegenüber den Ermittlungsbehörden (Polizei, Staatsanwaltschaft) oder Gerichten Aussagen zu ihrem Intimleben zu machen und ihnen nahestehende Personen ggfls. belasten müssen.
So entstehen Jahr für Jahr für Jahr neue Opfer einer unmenschlichen Sexualgesetzgebung.  Medien, die regelmässig von einem sensationslüsternen Kinderschänderhype profitieren, nehmen derartige Opfer leider kaum zur Kenntnis und weigern sich beharrlich anzuerkennen, dass hier eine ungerechte und inhumane Gesetzgebung laufend exekutiert wird.
Es wäre an der Zeit, dieses Sexualstraf(un)recht entschlossen zu bekämpfen anstatt fortlaufend Kinderschänderhype zu perpetuieren.

G.  im Oktober 2010

 

Eine Antwort zu “Positionen zur Sexualpolitik – von Kurt Hartmann”

  1. Martin Joos sagt:

    1.September 2014…
    …sind wir auch nur einen Schritt weiter gekommen in der menschengeRECHTen Lösung dieser Problematik?
    Nein!
    …hingegen haben sich Fälle von absurden Hexenjagden in dieser Zeit vervielfacht und ein Ende ist nicht abzusehen…
    Ist das die erwünschte aufgeklärte Weltordnung des 21. Jahrhunderts?

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